Letzte Aktualisierung am Februar 20, 2026 by Christian Heide

Ein Roadtrip von Amsterdam nach Giethoorn ist eine dieser einfachen, aber magischen Reisen, die dich daran erinnern, wie vielfältig ein kleines Land wie die Niederlande sein kann. In nur ein paar Stunden kannst du die belebten Straßen und Grachten der Hauptstadt hinter dir lassen und in einem ruhigen Dorf ankommen, in dem Boote Autos ersetzen und die Zeit langsamer zu vergehen scheint.

Die Fahrt von Amsterdam

Wir starteten früh am Tag, direkt nach dem Frühstück, um die ruhigen Straßen am Morgen zu nutzen. Amsterdam mit dem Auto zu verlassen ist überraschend einfach, sobald du die zentralen Bereiche hinter dir hast. Innerhalb von 20–30 Minuten weicht die dichte Stadtbebauung der offenen niederländischen Landschaft.

Die Fahrt nach Giethoorn dauert je nach Verkehr und genauem Startpunkt etwa 1,5 bis 2 Stunden. Die Route führt durch typische niederländische Szenerie: flache grüne Felder, grasende Kühe, Windräder und Wasserwege, die neben den Straßen glitzern. Es ist keine dramatische Landschaft, aber friedlich und unverkennbar niederländisch.

Je näher du Giethoorn kommst, desto kleiner und ruhiger werden die Straßen. Du siehst immer mehr Schilder für Bootsverleihe und Parkplätze – ein gutes Zeichen, dass du richtig bist.

Ankunft in Giethoorn

Giethoorn ist im Ortskern nicht für starken Autoverkehr gebaut, und genau das macht seinen Charme aus. Besucher parken normalerweise am Ortsrand auf ausgewiesenen Parkplätzen. Von dort aus ist es nur ein kurzer Spaziergang ins Dorf.

In dem Moment, als wir aus dem Auto stiegen und in Richtung der Grachten gingen, änderte sich die Atmosphäre. Die Verkehrsgeräusche verschwanden und wurden durch Vogelgezwitscher, leise Gespräche und das sanfte Plätschern des Wassers ersetzt. Der erste Blick auf die Gracht – gesäumt von Reetdachhäusern und geschwungenen Holzbrücken – fühlte sich an wie ein Spaziergang durch eine Postkarte.

Die Häuser wirken fast wie aus einem Märchen, mit gepflegten Gärten voller Blumen und Rasenflächen, die bis ans Wasser reichen. Viele Häuser haben kleine private Stege mit festgemachten Booten. Es ist sofort klar, dass das Wasser hier die Hauptrolle im Alltag spielt.

Die Bootstour in Giethoorn

Bei keinem Besuch in Giethoorn darf es fehlen, auf das Wasser zu gehen. Die Grachten sind die Straßen des Dorfes, und sie mit dem Boot zu erkunden ist die Hauptaktivität.

Es gibt mehrere Verleihe mit verschiedenen Optionen: geführte Touren auf größeren Booten, kleine Elektroboote, die du selbst fahren kannst, sowie Kajaks oder Kanus. Wir entschieden uns für ein kleines Elektroboot, oft „Flüsterboot“ genannt, weil es so leise ist.

Das Mieten war unkompliziert. Nach einer kurzen Erklärung zum Steuern und zur Geschwindigkeitskontrolle sowie einer Karte der Grachten und Seen ging es los. Du brauchst keinen Bootsführerschein, und die Steuerung ist anfängerfreundlich.

Durch die Grachten zu gleiten ist unglaublich entspannend. Das Boot fährt langsam, sodass du die Häuser bewundern, Menschen auf vorbeifahrenden Booten zuwinken und dich unter niedrigen Holzbrücken leicht ducken kannst. Hinter jeder Kurve wartet ein neuer, schöner Anblick: ein winziger Inselgarten, eine Familie beim Mittagessen am Wasser oder Enten, die neben dem Boot herschwimmen.

Einige Routen führen hinaus zu größeren Seen außerhalb des Dorfes. Diese offenen Bereiche bieten weite Ausblicke auf Schilf, Wasser und Himmel. Es fühlt sich eher nach Natur als nach einem Touristenziel an.

Wir verbrachten etwa drei Stunden auf dem Boot – genau richtig. Lange genug zum Erkunden, Fotografieren und Genießen der Ruhe, ohne Eile. Es gab uns auch Zeit für ein Picknick an Bord! Wir hatten im örtlichen Supermarkt Brot, Käse und Milch gekauft. Absolut empfehlenswert!

Durchs Dorf schlendern

Nachdem wir das Boot zurückgegeben hatten, erkundeten wir Giethoorn zu Fuß. Schmale Wege verlaufen entlang der Grachten, führen über kleine Brücken und an ruhigen Häusern vorbei. Obwohl Giethoorn beliebt ist, fühlt es sich friedlich an, wenn du dir Zeit lässt.

Es gibt ein paar kleine Museen, die die lokale Geschichte zeigen und erklären, wie sich das Dorf rund um Torfabbau und Wasserwege entwickelt hat. Diese Stopps geben dir Hintergrundwissen und lassen dich besser verstehen, wie die Landschaft das Leben hier geprägt hat.

Zum Nachmittag suchten wir ein Café mit Terrasse direkt an der Gracht. Draußen mit einem Stück Kuchen und einem Kaffee zu sitzen, während Boote vorbeigleiten, war eines der Highlights des Tages. Es ist die Art von Ort, an dem du automatisch langsamer wirst, länger bleibst und den Moment genießt.

Es gibt auch kleine Läden mit Souvenirs, niederländischen Süßigkeiten und lokalem Kunsthandwerk. Sie machen Spaß beim Stöbern, ohne überladen zu wirken.

Praktische Tipps für die Anreise mit dem Auto

Wenn du mit dem Auto kommst, hilft es, früher am Tag anzureisen – wegen Parkplätzen und Menschenmengen. Später Vormittag bis Nachmittag ist meist am vollsten, besonders an Wochenenden und im Sommer. Meide Wochenenden, denn dann kommen oft große Gruppen mit Bussen.

Trag bequeme Schuhe, denn du läufst mehr, als du denkst. Eine leichte Jacke ist nützlich, weil das Wetter selbst an sonnigen Tagen schnell umschlagen kann.

In der Hochsaison lohnt es sich, ein Boot im Voraus zu reservieren. Und prüfe immer vorab die Parkmöglichkeiten, damit du nicht versehentlich in gesperrte Bereiche fährst.

Die Rückfahrt

Am frühen Abend zurück nach Amsterdam zu fahren war unkompliziert. Die untergehende Sonne über den Feldern machte die Rückfahrt besonders schön. Nach einem Tag mit langsamen Booten und stillen Grachten fühlte sich die Rückkehr in die lebendige Stadt an wie der Eintritt in eine andere Welt.

Ein Ausflug mit dem Auto nach Giethoorn ist einfach, flexibel und lohnend. Du erlebst eine sanftere, ruhigere Seite der Niederlande, die einen schönen Kontrast zu Amsterdam bildet. Wenn du einen Tag mit schöner Fahrt, Zeit auf dem Wasser und entspannter Dorfatmosphäre suchst, ist Giethoorn die Reise auf jeden Fall wert.